Verschwendung von Wasser

Das Thema Wasser ist aus gleich zwei Gründen relevant.

Wenn Lebensmittel verschwendet werden, wird damit auch das Wasser, das für ihre Herstellung verwendet wurde, verschwendet.

  • Die Lebensmittel, die wir entsorgen, enthalten unsichtbares, „virtuelles“ Wasser. Für die Herstellung von 1 kg Rindfleisch sind rund 15.000 Liter Wasser notwendig. Wenn man sich das bewusst macht, kommt man hoffentlich zum Schluss, dass übrig gebliebenes Fleisch nicht entsorgt werden sollte, sondern noch für verschiedene Reste-Gerichte (wie Fleischlaibchen, Hackbraten u.ä.) verwendet werden kann. Vielleicht führt diese Erkenntnis auch dazu, dass einige Menschen ihren Fleischkonsum reduzieren oder ganz auf Fleisch verzichten.
  • Im Vergleich zu der Menge an (virtuellem) Wasser, das wir aufgrund unserer Lebensmittelauswahl verbrauchen (täglich Tausende von Litern), ist die Wasserersparnis, die wir erreichen, wenn wir beim Zähneputzen das Wasser abdrehen, verschwindend klein (nur wenige Liter Wasser).

Das Ernährungssystem nachhaltiger zu machen, bedeutet nicht nur, die Lebensmittelverschwendung zu verringern, sondern auch, eine Ernährungsweise zu wählen, die schonend mit der Ressource Wasser umgeht und mit der abnehmenden Verfügbarkeit von Wasser vereinbar ist.

Eine nachhaltige Beziehung zu Lebensmitteln bedeutet nicht nur, Lebensmittelverschwendung zu bekämpfen, sondern auch, eine Ernährungsweise zu wählen, die den Umgang mit Wasserressourcen mit deren abnehmender Verfügbarkeit berücksichtigt.

Das Wasser, das es nicht mehr gibt

In den letzten Jahresberichten des Weltwirtschaftsforums (World Economic Forum) wird die globale Wasserkrise immer als eines der größten globalen Risiken angeführt, sowohl hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit des Auftretens als auch hinsichtlich des Ausmaßes der Auswirkungen.

Zwei der führenden Experten für hydrologische Systeme (Mekonnen und Hoekstra) zeigen in einer Studie, dass schon heute vier Milliarden Menschen an mindestens einem Monat pro Jahr unter Wassermangel leiden und 1,8 Milliarden Menschen an mindestens sechs Monaten im Jahr mit Dürre zu kämpfen haben. Wasserknappheit ist also ein weithin unterschätztes Problem.

Warum tritt heute (und erst recht morgen) in immer ausgedehnteren Gebieten der Welt Wasserknappheit auf, wenn doch der Wasserkreislauf einen ausgeglichenen Wasserhaushalt (zwischen Wasserzufuhr und Wasserverbrauch) auf dem Planeten gewährleisten soll?

11 Das Wasser zwischen Erde, Meer und Himmel – hier findet der Wasserkreislauf statt.

Bild aufgenommen von “Storie di acqua” – © Sanpellegrino 2016

Darauf gibt es zwei Antworten:
1. Die Nachfrage Wasser steigt
Das Bevölkerungs- und das Wirtschaftswachstum führen zu einer Übernutzung von Wasser, wodurch die Wiederauffüllung der Wasserreserven (Grundwasserspiegel, Flusslauf usw.) verhindert wird.

Das Bevölkerungswachstum spielt eine Schlüsselrolle für die Zunahme der globalen Wassernachfrage. Schätzungen zufolge wird die Weltbevölkerung im Jahr 2030 auf über 8,5 Milliarden Menschen anwachsen und 2050 fast zehn Milliarden erreichen.
Dies bedingt einen Anstieg des Wasserverbrauchs um mindestens 20%, angesichts einer Zunahme der Nachfrage nach Lebensmitteln um +50% bis zum Jahr 2030 und um +70% bis zum Jahr 2050.

Eine weitere Ursache ist die wirtschaftliche Entwicklung. Die Verbesserung der sozialen und der Lebensbedingungen der Bevölkerung in den Schwellenländern geht mit einer Änderung der Essgewohnheiten und dem Anstieg der Energiezufuhr einher. Der Fleischkonsum in China hat sich in den letzten zwanzig Jahren mehr als verdoppelt und wird sich bis 2030 nochmals verdoppeln. Dies führt zu einer Erhöhung der Wasserentnahme, denn für die Produktion von Fleisch, Milch, Zucker und Pflanzenölen wird mehr Wasser benötigt als für die Produktion von Getreide.

Bereits heute gelten die vielen Gebiete, welche mehr als 20% des verfügbaren Wassers entnehmen, als gefährdet. Ohne Gegenmaßnahmen ergibt sich für die kommenden Jahre ein dramatisches Szenario.

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Bild aufgenommen von “Eating Planet” di Barilla CFN

Darüber hinaus geht mit der wirtschaftlichen Entwicklung ein zunehmender Druck auf die verfügbaren Wasserressourcen einher, nicht zuletzt durch die damit verbundene weltweit wachsende Energienachfrage.

Für die Wasserkraft und für die Energie aus Biomasse wird bis 2030 ein Anstieg um 60% bzw. 30% der derzeitigen Werte erwartet.

2. Die Wasserverfügbarkeit nimmt ab
Umweltverschmutzung und Klimawandel schränken die Möglichkeiten der Wassernutzung ein.

Die Hauptursache für die Abnahme der Wasserverfügbarkeit ist die Verschmutzung, welche die Qualität der Wasservorräte bedroht.

Einige Daten verdeutlichen das Ausmaß der Verschmutzung: schätzungsweise zwei Millionen Tonnen durch menschliche Aktivitäten erzeugte Abfälle werden täglich in die Wasserläufe eingeleitet. Der Anteil des Lebensmittelsektors an der Produktion von Wasserschadstoffen beträgt in den Industrieländern 40% und in den Entwicklungsländern sogar 54%. In den Entwicklungsländern werden zudem 70% der Industrieabfälle ohne jegliche Aufreinigung in die Wasserläufe eingeleitet und verschmutzen so einen Teil des verfügbaren Süßwassers.

Ein weiterer Faktor, der sich erheblich auf die Verfügbarkeit der Wasserressourcen auswirkt, ist der Klimawandel.

Inzwischen gibt es einen breiten Konsens über dessen Auswirkungen: die Prognosen zeigen eine Verringerung der Niederschläge in den semiariden Gebieten, eine Zunahme der Niederschläge in den gemäßigten Zonen, eine größere Variabilität der Niederschlagsverteilung, eine größere Häufigkeit in Bezug auf Extremereignisse und einen allgemeinen Temperaturanstieg.

Im gesamten Mittelmeerraum werden der Wasserstand der Flüsse und die Wiederauffüllung der Grundwasservorkommen voraussichtlich deutlich abnehmen. Dazu kommen noch die Versalzung der küstennahen Grundwasservorkommen durch den steigenden Meeresspiegel und die geringere Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens angesichts der zunehmenden Häufigkeit von Starkregen.

Wie viel Wasser steht in Italien zur Verfügung?

Italien ist insgesamt ein wasserreiches Land (vor allem im Norden), aber zugleich ein Land, das enorme Mengen an Wasser verbraucht (viel mehr als der EU-Durchschnitt), sowohl bezogen auf den gesamten Wasser-Fußabdruck als auch bezogen auf den individuellen Verbrauch.

Schwere Anzeichen von Wasserstress gab es bereits in der Po-Ebene: im Jahr 2003 kam es zu einer Unterbrechung der Stromversorgung, da dem Po nicht ausreichend Wasser entnommen werden konnte, um die Anlagen des wichtigsten Kraftwerks Italiens (jenes von Porto Tolle in der Provinz Rovigo) zu kühlen.

Die Aussichten sind nicht ermutigend: die globale Erwärmung wird laut CMCC (Euro-Mediterranean Centre on Climate Change) einen Anstieg der Temperatur und einen Rückgang der Niederschläge bedingen, zugleich wird es laut ISTAT aufgrund des sich ändernden Verhältnisses zwischen Geburtenrate und Mortalität sowie aufgrund der Zuwanderung ein Bevölkerungswachstum und damit verbunden einen Anstieg des Wasserbedarfs geben.

Aufgrund dieser und anderer Faktoren wird Italien vom WRI (World Resources Institute in Washington) zu den Ländern gezählt, die mittelfristig (2040) ein Risiko für schweren (high) Wasserstress haben.

Wasser-Fußabdruck

„Der Wasser-Fußabdruck eines Produkts ist die Menge an Süßwasser, die für die Herstellung des Produkts verwendet und entlang der verschiedenen Stufen der Herstellungskette ermittelt wird.“

Der Wasserfußabdruck ist ein Indikator für den Wasserverbrauch von Konsumgütern. Das Konzept entspricht jenem des ökologischen Fußabdrucks und des CO2-Fußabdrucks, anstelle der Landnutzung bzw. der Nutzung fossiler Energien bezieht es sich aber auf Wasser.

Bei der Produktion von landwirtschaftlichen (und anderen) Gütern und bei der Berechnung ihres Wasser-Fußabdrucks werden drei Arten von Wasser unterschieden.

Die Farben des Wassers

Das blaue Wasser ist jenes in Seen, Flüssen und unterirdischen Vorkommen. Es kann aus erneuerbaren Quellen stammen, die durch Regen und Schneeschmelze wieder aufgefüllt werden, oder aus nicht erneuerbaren Vorkommen entnommen werden. Es ist leicht zugänglich und leicht zu transportieren und kann gemessen, aufgestaut, aufbewahrt und in Wasserversorgungsnetze gepumpt werden, um den Bedarf der verschiedenen Sektoren (Landwirtschaft, Industrie und Haushalte) zu decken. Weltweit werden 70% dieses Wassers für die Bewässerung verwendet (FAO – AQUASTAT), in einigen Ländern, die sehr trocken sind (wie der Nahe Osten oder Nordafrika), sind es über 90% des gesamten Wasserverbrauchs.

Grünes Wasser ist Regen- oder Schneewasser, das verdunstet oder über die Pflanzen „abgeatmet“ und dadurch nicht zu blauem Wasser wird. Es wird fast ausschließlich in der Landwirtschaft eingesetzt und deckt dort 84% des Bedarfs.

Graues Wasser ist „verschmutztes“ Wasser (Abwasser), das zur Verdünnung der Schadstoffe aus den Produktionsprozessen verwendet wird und für den menschlichen Gebrauch nicht mehr verwendbar ist.

Der Wasser-Fußabdruck eines Produkts ermittelt die Wassermenge, die für die Herstellung eines Gutes in einem bestimmten geografischen Gebiet benötigt wird. Für ein und dasselbe Nahrungsmittel variiert der Wasser-Fußabdruck je nach Ort beträchtlich, abhängig vom Klima, den landwirtschaftlichen Techniken, dem Ernteertrag, der Verfügbarkeit von Regenwasser oder der Notwendigkeit der Bewässerung usw.

Die Auswirkungen der Wasserentnahme zur Herstellung eines Lebensmittels sind wiederum sehr unterschiedlich, je nachdem, wo und wie das Lebensmittel hergestellt wird. Es variiert nämlich nicht nur die benötigte Wassermenge, sondern auch die „Qualität“ des verwendeten Wassers (blaues oder grünes Wasser). Auch kann es sein, dass bei Wasserknappheit das verfügbare Wasser für vorrangige Verwendungszwecke (insbesondere für den häuslichen Gebrauch) entnommen wird.

Beispiel: Orange (die angegebenen Mengen in Liter beziehen sich auf eine Orange von rund 200 Gramm)


Art des Wassers Italien Marokko Spanien
grünes Wasser liter 56,8 liter 44,4 liter 44,6
blaues Wasser liter 8,2 liter 59 liter 32
graues Wasser liter 9,8 liter 7 liter 11
Gesamtmenge 74,8 110,4 87,6

Hin zu einem neuen Wasserkolonialismus?

Die Ermittlung des Wasserverbrauchs für die Landwirtschaft (80-90% des gesamten für die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse verwendeten Wassers) und der virtuellen Wasserströme, die durch den Handel mit Nahrungsmitteln verursacht werden, enthüllen einen Markt riesigen Ausmaßes, der bisher jedoch im Verborgenen geblieben ist: den Markt des Wassers, das (unsichtbar) von den Nahrungsmittelproduktionsgebieten in die Importregionen verlagert wird.

Gemäß der „Marktdoktrin“ (wonach der Markt in der Lage ist, sich selbst zu regulieren) sollte dies zu einer Ansiedlung der Produktion von Nahrungsmitteln mit einem hohen Wasser-Fußabdruck in den wasserreicheren Ländern führen, diese Länder würden ihre effizienteren Produkte dann in wasserärmere Länder exportieren, welche wiederum die Möglichkeit hätten, ihre Wasservorkommen für andere Zwecke zu nutzen.

Dies ist nicht immer der Fall, das Beispiel Italiens zeigt sogar genau das Gegenteil.

Italien ist eines der Länder mit dem höchsten Nettoimport von virtuellem Wasser der Welt, (Import -Export), und obwohl für den afrikanischen Kontinent die begrenzte Verfügbarkeit von Wasser charakteristisch ist, ist die Wasserbilanz gerade in Bezug auf diesen Kontinent stark negativ. Eine Erklärung dafür ist die Tatsache, dass die Kosten für das Wasser nur einen kleinen Teil der Produktionskosten ausmachen und dass Wasser normalerweise nicht zu Marktpreisen getauscht wird.

Für in Kenia angebaute grüne Bohnen beispielsweise, die nach Italien importiert werden, spielt das Wasser als Kostenfaktor für die Produktion eine unbedeutende Rolle, selbst wenn es (angesichts der knappen Wasserressourcen in diesem Land) dem häuslichen Gebrauch entzogen wurde und somit die Wassersicherheit der dortigen Bevölkerung gefährdet ist.

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© UNESCO/Nairobi Office, Ein Mitglied der Flüchtlingsgemeinschaft im Flüchtlingslager Kakuka gießt sein Gemüse.

Die Ausbeutung der Wasserressourcen in sozioökonomisch und ökologisch fragilen Regionen ist eine Externalität (externer Effekt) auf Kosten des Exportlandes. Dadurch entsteht eine Art von „Wasserkolonialismus“, d.h. eine Form der Beherrschung und Ausbeutung der Wasservorkommen durch die reichen Länder zum Nachteil der ärmsten.

Das Konzept des virtuellen Wassers ist wichtig, um unsere Abhängigkeit von zum Teil weit entfernten hydrologischen Systemen und die Auswirkungen, die unser Lebensstil, unsere täglichen Aktivitäten und Entscheidungen auf diese Systeme haben, zu verstehen.

Es ist wichtig, eine Vorstellung davon zu haben, wie unser Wasserfußabdruck ist und wovon er abhängt.
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Lebensmittelkonsum

Die Ernährungsgewohnheiten beeinflussen den Wasser-Fußabdruck eines Menschen entscheidend.

Um die Unterschiede zu veranschaulichen, hat Barilla CFN zwei verschiedene Tagespläne erstellt – beide sind ernährungsphysiologisch ausgewogen – und deren Wasserverbrauch berechnet. Der erste Tagesplan liefert mehr pflanzliche Proteine und enthält weniger tierische Fette; der zweite dagegen beruht auf einem moderaten Verzehr von rotem Fleisch.

Im Vergleich der beiden Tagespläne wird deutlich, dass der Verzehr von tierischen Produkten wie Milch und Fleisch zu einer Verdoppelung des Wasserverbrauchs für diese Art der Ernährung führt.

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Quelle “Eating Planet” BCFN

Wie sich der Wasser-Fußabdruck durch intensive Landwirtschaft bzw. Weidewirtschaft verändert

Der Wasser-Fußabdruck eines tierischen Produkts wird von zwei Hauptfaktoren bestimmt:

  • Zum Einen von der Effizienz der Umwandlung einer bestimmten Menge an Futtermitteln in eine bestimmte Menge an Fleisch, Eiern oder Milch. Weidetiere können sich mehr bewegen und benötigen daher mehr Zeit, um das optimale Schlachtgewicht zu erreichen: sie sind in Bezug auf die Umwandlung von Futter in Fleisch weniger effizient. Die Effizienz der Umwandlung von Futtermitteln in Fleisch verbessert sich durch den Wechsel von Weide- zu Mischsystemen und zu industriellen Landwirtschaftssystemen, welche so gesehen einen geringeren Wasserfußabdruck haben
  • Der zweite Faktor ist die Zusammensetzung der Futtermittel in den unterschiedlichen Tierhaltungssystemen. Dieser Faktor wirkt dem oben beschriebenen entgegen. Wenn der Anteil von Kraftfutter in der Tierernährung zunimmt, wird auch der Wasser-Fußabdruck größer. Kraftfuttermittel haben nämlich einen größeren Wasser-Fußabdruck, Gras, Raufutter oder Ernterückstände dagegen einen eher niedrigen.

Beim Übergang vom Weide- über das Mischsystem zur industriellen Tierhaltung nimmt der Kraftfutteranteil im Tierfutter zu. Weide- und Mischsysteme haben daher einen geringeren Wasserverbrauch als industrielle Systeme.

Im Allgemeinen ist der Wasser-Fußabdruck von Kraftfutter fünf Mal so groß wie jener von Raufutter. Wenn das Raufutter überwiegend auf der Grundlage der natürlichen Regenfälle erzeugt wird, während die Proteinfuttermittel meist bewässert und gedüngt werden müssen, ergibt sich für das Kraftfutter ein Blau- bzw. Grauwasser-Fußabdruck, der sogar bis zu 43 Mal bzw. bis zu 61 Mal so groß ist wie jener von Raufutte

Der Wasser-Fußabdruck in Italien

Der Wasser-Fußabdruck für den täglichen Konsum beträgt in Italien 6.300 Liter pro Kopf und Tag, dieser Wert ist 1,65 Mal höher als der weltweite Durchschnitt. Nur 4% davon entfallen auf den Wasserverbrauch für den häuslichen Gebrauch, was auch mit den weltweiten Daten übereinstimmt.

Ungefähr 96% des Wasser-Fußabdrucks für den Konsum sind für die Verbraucher und Verbraucherinnen „unsichtbar“: es sind der Wasserverbrauch und die Verschmutzung von Wasser im Zusammenhang mit der Produktion der Produkte, welche in den Supermärkten und anderswo gekauft werden können.

Rund 89% des Wasser-Fußabdrucks Italiens hängen mit dem Konsum von landwirtschaftlichen Produkten und 7% mit jenem von Industrieprodukten zusammen. Fast die Hälfte des Wasser-Fußabdrucks für den Konsum in Italien hängt mit dem Konsum von tierischen Produkten zusammen.

Hier wird ersichtlich, um wie viel größer der Wasser-Fußabdruck von tierischen Produkten (Fleisch, Eier, Milch und Milchprodukte) im Vergleich zu jenem der pflanzlichen Produkte ist. Die Nutztiere benötigen (zum Teil über Jahre hinweg) eine große Menge an pflanzlicher Nahrung als Futter, bevor sie selbst als tierische Lebensmittel genutzt werden. Tatsächlich macht der Wasser-Fußabdruck für den Anbau von pflanzlichen Futtermitteln 98% des Wasser-Fußabdrucks von tierischen Produkten aus (das Trinkwasser für die Tiere und der Wasserverbrauch für andere Zwecke machen nur 1,1% bzw. 0,8% aus).

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Bild aufgenommen von “L’acqua che mangiamo” – Edizioni Ambiente 2013

Die Welt hat Durst, weil wir Hunger haben

„Die Welt hat Durst, weil wir Hunger haben“ ist der Slogan, mit dem die FAO den unauflöslichen Zusammenhang zwischen Wasserverbrauch und Nahrungsmittelproduktion ausdrückt. Der Slogan passt gleichermaßen für den Zusammenhang zwischen der Verfügbarkeit von Wasser und den Ernährungsgewohnheiten.
Tatsächlich sind wir es, die durch die Wahl der Nahrungsmittel die Entnahme von Wasser in einer Weise beeinflussen, die immer weniger nachhaltig ist. Wenn wir unseren Wasser-Fußabdruck verringern wollen, ist es am wichtigsten, das, was wir essen, kritisch zu hinterfragen, anstatt „nur“ den Wasserverbrauch in Küche, Bad oder Garten zu betrachten.

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© UN Photo/John Isaac, Women cultivating rice in Palung, Nepal

1. Weniger Fleish essen

Es besteht kein Zweifel mehr darüber, dass die Ausweitung der Viehzucht entscheidend zum Klimawandel, zur Abholzung der Wälder und zur Ausbeutung der Wasserressourcen beiträgt.

  • Nach Angaben der FAO verursacht die Tierhaltung 18% der gesamten Treibhausgasemissionen, was im Vergleich zu den Anteilen des Verkehrs (13%) und der Energieerzeugung (26%) sehr hoch ist. Das Worldwatch-Institut (WWI) hingegen gibt den Beitrag der Viehzucht sogar mit 51% an, weil in der Bilanz auch der Sauerstoffbedarf der lebenden Tiere sowie die Verringerung der verfügbaren Fläche für die Erzeugung von Nahrungsmitteln für den Menschen oder für Wälder berücksichtigt werden müsse. Die Berechnung des WWI berücksichtigt auch die Energie, die für das Kochen von Fleisch, für die Herstellung, den Vertrieb und die Verpackung von tierischen Produkten und für die Herstellung von Tierarzneimitteln benötigt wird.
  • Für den Wasser-Fußabdruck hat man berechnet, dass in der Intensivtierhaltung etwa 15.500 Liter Wasser benötigt werden, um ein Kilo Rindfleisch zu erzeugen und 3.920 Liter Wasser für ein Kilo Huhn.
  • Etwa 3,5 Milliarden m² Land (70% der verfügbaren Ackerfläche der Erde) werden für die tierische Produktion genutzt. Davon entfallen 470 Millionen m² auf den Anbau von Getreide und Hülsenfrüchten als Futtermittel. Die Tierhaltung ist zusammen mit der Holzindustrie die Hauptursache für die Abholzung des Amazonas-Regenwaldes.

zudem werden

  • in der Intensivtierhaltung große Mengen an Antibiotika verabreicht, um die aufgrund der beengten Verhältnisse wahrscheinlichere Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern. Durch die Aufnahme dieser Antibiotika über die Ernährung wird bei Bakterien die Bildung von Resistenzen gegen Antibiotika begünstigt. Aus Sicht der Wissenschaft und der Gesundheitsbehörden ist das alarmierend.
  • in der Intensivhaltung die Tiere auf eine reine Ware reduziert, in sehr enge Käfige gezwängt oder auf engem Raum eingesperrt, wo sie ein kurzes und schmerzvolles Leben verbringen. Während ihres Lebens werden die Tiere verstümmelt: Schnäbel, Schwänze oder Flügel werden abgeschnitten, sie werden oft ohne Betäubung kastriert oder im Alter von fünf bis sechs Wochen enthornt, weil sie – aufgrund der Gefangenschaft und zu einer unnatürlichen Lebensweise verurteilt – unter Stress stehen und andere Tiere verletzen.
  • durch den übermäßigen Verzehr von rotem Fleisch (insbesondere von verarbeitetem Fleisch) die Risiken für bestimmte Erkrankungen, vor allem für Darmkrebs, erhöht (AIRCC – Le carni rosse fanno male alla salute?).

… Wem die Umwelt, die eigene Gesundheit und das Wohlergehen der Tiere ein Anliegen ist, der sollte den Konsum von Fleisch und anderen tierischen Produkten drastisch reduzieren und Produkte bevorzugen, die aus Weidehaltung und aus traditioneller Aufzucht stammen. Dort wird weniger Wasser verbraucht und werden weniger Antibiotika eingesetzt, das Tierwohl ist besser und in einigen Fällen (Almweiden) trägt die Tierhaltung zur Erhaltung und Pflege der Landschaft bei.

2. Rückkehr zur mediterranen Ernährung

Als die UNESCO 2010 die mediterrane Ernährung zum „immateriellen Kulturerbe der Menschheit“ erklärte, war ihr Nutzen wissenschaftlich bereits fest verankert. Der amerikanische Physiologe Ancel Keys hatte in den 1970er Jahren als Erster erklärt, warum die Bevölkerung in einigen Regionen länger lebte.

Das „Geheimnis“ bestand in einer ausgewogenen Zusammensetzung der Kost auf der Grundlage von naturbelassenen Lebensmitteln, wobei Obst, Gemüse und Getreideprodukte häufig und reichlich gegessen wurden und zugleich der Verzehr von Lebensmitteln, die reich an gesättigten Fetten sind, von Fleisch und von Süßigkeiten reduziert wurde.

Vor allem entdeckte Keys, dass dank dieser Ernährung (die er „mediterran“ nannte) die Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen in den Ländern Südeuropas und Nordafrikas niedriger war als in den angelsächsischen und nördlichen Ländern, wo die Ernährung reich an gesättigten Fetten war. So entstand (1992 vom USDA – U.S. Department of Agriculture konzipiert) die Ernährungspyramide. An deren Basis befinden sich Lebensmittel pflanzlichen Ursprungs, die typisch für die mediterranen Ernährungsgewohnheiten sowie reich an Nährstoffen (Vitamine, Mineralsalze, etc.) und schützenden Substanzen (Ballaststoffe und bioaktive Verbindungen) sind. Nach oben hin finden sich Lebensmittel mit zunehmender Energiedichte (diese sind in der nordamerikanischen Ernährung stark vertreten), die in kleineren Mengen verzehrt werden sollten.

Die Ernährungspyramide wurde 1997 von der FAO aktualisiert und hat im Lauf der Jahre zahlreiche Abwandlungen und Versionen erhalten (z.B. jene der WHO – World Health Organization, CIISCAM – Interuniversitäres Forschungszentrum für mediterrane Ernährungskulturen und HSPH – Harvard T.H. Chan School of Public Health), welche alle vom ursprünglichen Konzept ausgehen.

2009 schlug das BCFN – Barilla Center for Food and Nutrition mit dem Modell der doppelten Pyramide eine wichtige Neuerung vor: die klassische Lebensmittelpyramide wird von einer auf den Kopf gestellten „Umwelt“-Pyramide flankiert, in welcher die Lebensmittel nach ihrem ökologischen Fußabdruck eingestuft werden. Ziel war es, den engen Zusammenhang zwischen den ernährungsphysiologischen Aspekten von Lebensmitteln und ihren Auswirkungen auf die Umwelt aufzuzeigen und vor allem zu zeigen, wie sich individuelle Gesundheit und Umweltschutz in Einklang bringen lassen.

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Es bleibt noch zu klären, wieso die Mittelmeerkost immer weniger befolgt wird, obwohl sie zu jenen Ernährungsregimen gehört, die die Gesundheit und die Umwelt am besten schützen (was auch zu einem geringeren Wasserverbrauch führt).
Es scheint eine Kluft zu bestehen zwischen der praktischen Umsetzung im Alltag (in welchen Fast Food Einzug gehalten hat) und den Idealvorstellungen.
Allerdings verbreitet sich unter den Verbrauchern zunehmend die Überzeugung, dass gesundheitliche und ökologische Parameter grundlegende Aspekte bei der Lebensmittelauswahl darstellen, und eine Rückkehr zu einer authentischen mediterranen Ernährung könnte diesen Bestrebungen viel besser entsprechen als (Lebensmittel-) Entscheidungen, die heute ausschließlich von Preis und Praktikabilität geleitet werden.

3. Weniger Lebensmittel verschwenden

Verschwendung in der Verschwendung.
Solange Lebensmittel für ihren eigentlichen Zweck, nämlich die menschliche Ernährung, verwendet werden, kann jeder beliebige Ernährungsstil irgendwie gerechtfertigt werden. Es ist jedoch inakzeptabel, dass natürliche Ressourcen wie Wasser, Land, Energie und Arbeit für die Herstellung eines Lebensmittels verwendet werden, das aus verschiedenen Gründen letztendlich nicht gegessen, sondern entsorgt wird.
Abgesehen von den ethischen Aspekten, hat die Lebensmittelverschwendung Auswirkungen auf die Verschwendung von Wasser.
30% der weltweit produzierten Nahrungsmittel kommen gar nie auf den Tisch, zugleich wissen wir, dass 70% der Wasserressourcen für die Nahrungsmittelproduktion verwendet werden. Wenn es keine Verschwendung gäbe bzw. wenn die verschwendeten Nahrungsmittel nicht produziert würden, stünden mehr Wasserressourcen, nämlich 21% der Gesamtmenge, für andere Zwecke als die Landwirtschaft zur Verfügung.
Auch wenn diese Schätzung rein abstrakt ist und nicht auf spezifischen Berechnungen des Wasser-Fußabdrucks beruht, zeigt sie doch die ungefähre Größenordnung der Wasserverschwendung auf.
In der Tat sind die Verringerung der Lebensmittelverschwendung zusammen mit der Reduktion des Konsums tierischer Produkte die beiden wirksamsten Maßnahmen, mit denen die Verbraucher und Verbraucherinnen ihren Wasser-Fußabdruck deutlich verringern können. Es ist kein Zufall, dass diese beiden Maßnahmen vom IPCC – Intergovernmental Panel of Climate Change (Kapitel 11 des Berichts https://www.ipcc.ch/pdf/assessment-report/ar5/wg3/ipcc_wg3_ar5_full.pdf) auch als die wichtigsten Faktoren im Agrar- und Ernährungssektor zur Eindämmung des Klimawandels eingestuft werden.

Sowohl der Ausstoß von Treibhausgasen als auch die übermäßige Wasserentnahme lassen sich durch eine Änderung der Konsumgewohnheiten ohne besondere Anstrengungen und Entbehrungen verringern.

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4. Saisonale und regionale Produkte kaufen

Saisonale Produkte haben in Bezug auf die Nachhaltigkeit der Wassernutzung den Vorteil, dass für ihre Erzeugung weniger wertvolles Wasser verwendet wird (grünes Wasser anstelle von blauem Wasser, welches in Gewächshäusern eingesetzt wird).
Lokale Produkte haben noch mehr Vorteile, dazu zählt insbesondere die Verwendung von traditionellem Saatgut in der lokalen Landwirtschaft. Die industrielle Landwirtschaft verwendet immer kommerzielles Saatgut, die kleinbäuerliche Landwirtschaft verwendet häufig traditionelles Saatgut, die so genannten Landsorten. Was ist der Unterschied?

Kommerzielles Saatgut kann auf jedem beliebigen Boden angebaut werden, solange die erforderlichen externen Faktoren (Düngung, Wasser, Pflanzenschutz) gewährleistet sind. Traditionelles Saatgut hingegen gedeiht am besten in bestimmten geografischen Gebieten. Es ist an bestimmte klimatische Bedingungen angepasst, da die Bauern die besten Eigenschaften selektiert haben, um in ihrer jeweiligen Region, je nach Klima (warm, kalt) und Wasserressourcen (Wassermangel, Wasserreichtum) eine gute Ernte zu erwirtschaften.

Darüber hinaus wendet die lokale Landwirtschaft im Unterschied zur industriellen oft Praktiken an, welche den Bedarf an Bewässerung reduzieren.

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5. Bio-Produkte bevorzugen

In der biologischen Landwirtschaft werden keine chemisch-synthetischen Substanzen (Düngemittel, Herbizide, Fungizide, Insektizide, Pestizide) verwendet. Der Wasser-Fußabdruck eines Bio-Produktes braucht daher keinen durch landwirtschaftliche Chemikalien verschmutzten Wasseranteil (das „graue“ Wasser) zu berücksichtigen.

Da das „graue“ Wasser durchschnittlich 9% des gesamten Wasser-Fußabdrucks der italienischen Landwirtschaft ausmacht (Der Wasser-Fußabdruck Italiens – WWF Italien 2014), werden durch den Verzehr von Bio-Produkten fast 10% Wasser eingespart. Nicht wenig!

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